23 1/2: Zwischen Kind und Kindern – die Quarterlife Crisis ruft

am

– von Markus

Einfach mal runter zu kommen. Weg vom Krieg im Kopf und innere Ruhe finden. Den Verstand aus dem OFF sprechen lassen. Da bin ich also, verfasse diesen Text – die Synapsen und ich, Markus: 

23 ½ oder 23.84, um genau zu sein. Ich hatte schon immer eine spezielle Beziehung zum Konstrukt Zeit. Lieblingsfilm „About Time“ (dringende Empfehlung eines FilmConnaisseurs).

Die Zeit und ich, das ist eine Hollywoodliebe. Bonnie und Clyde. Nur, dass ich gerne Bonnie mit 167 Schüssen zum Stehen bewegen will. Liebe auf den 167. Schuss gewissermaßen. Ich meine, das Ende kommt sowieso früh genug. Mit 17 wollte ich nicht 18 werden. So ist es jetzt auch. Der Rest kann morgen kommen. Doch was ist heute?

Richtungsweisende Veränderungen im Leben führen bei mir zu einem Vakuum. Ein luftleerer Raum, in diesem Fall ein zeitloser Raum. Irgendwie gut, die Zeit mal anzuhalten, nachdem 166 Schüsse ins Leere gingen. So viel Zeit, wie alle Kippenstummel zwischen den Bahngleisen. Aktuell verspüre ich das gleiche – Ebbe und Flut, simultan. Meistens lag in diesem Raum ein Brief mit einer Lösung auf die Frage, wie es weiter geht. Man konnte sich Zeit lassen, musste nur zugreifen. Dieser ist schon lange weg. Ersetzt durch eine blaue und eine rote Pille. Ich habe immer häufiger das Gefühl was zu verpassen und zögere. Warum? Weil jede Entscheidung mit Verantwortungen, Erwartungen und Normen verbunden ist. Jede hat eine andere Veranwortung und jeder nimmt eine andere Pille. Manche auch keine, andere alle auf ein mal. So kommt es, dass Gleichaltrige mich herum feiern, die Welt bereisen, sich kreativ geben, mit ihrem Partner zusammenziehen, Kinder kriegen, erfolgreich sind, ihre Träume leben oder ein hybrides Instagramwesen aus allem sind. Wer davon bin ich? Irgendwie irgendniemand. Nicht gerade die Blaupause des Lebens. Manchmal noch ein Kind und im nächsten Moment nehme ich meine Hornbrille von der Nase (die an einer Schnur hängt!) und steige auf meinen Rollator. „Bleib cool, alles wird sich fügen“ kriege ich oft zu hören. „Wir alle sind Puzzleteile und nur zusammen ergibt´s ein Bild.“ Wenn das Schicksal so gut puzzeln kann wie ich, dann danke aber nein.

Ich lege mein Kopf etwas in den Nacken und schaue nach oben. Das liegt einerseits daran, dass ich versuche größer zu wirken, um meine geringe Körpergröße zu kaschieren. Andererseits hat das Vakuum einen wunderschönen Sternenhimmel. In diesen nächtlichen Augenblicken ist es Zeit sich zu entscheiden – rot oder blau. Alles steht still. Hier unten. Und auch da oben. Patronen habe ich keine mehr. Der Mond scheint im Spotlight herunter. Hat bisschen war von der Truman-Show. Die Ränge sind leer, doch alle warten auf eine Antwort. Vor allem ich. 

Nach dem ersten Viertel sollte man meinen, dass man weiß, was man will. Gefestigt ist. Entscheidung wie diese, richtungsweisende Entscheidungen sind eine einzige Krux. Am liebsten würde ich beide Szenarien durchspielen. Drehbuch gibt es aber nur ein einziges. Bin ich schon bereit für diesen Weg? Warum gehen alle ihren – so unterschiedlich – und doch scheinen sie zu wissen was sie tun. Ich dagegen bin offroad unterwegs. Oder?

Habe ich schon Entscheidungen schon bereut? Jein. Meistens findet man doch die richtigen Puzzleteile. Ich bereue trotzdem viele Entscheidungen. Warum? Weil ich sie unwiderruflich treffen musste. 

Doch ist es wirklich wert sich so den Kopf zu zerbrechen? Um Vergangenes, das man nicht einholen kann? Um die Zukunft? Wieder Jein. Es ist von Bedeutung sich Gedanken zu machen. Aber man sollte in keine Quarter-Life Crisis fallen. Kein Kleber der Welt kann das sonst wieder fügen. Ich glaube Gleichaltrigen geht es oft auch so. Dass der Horizont nur ein trauriges Teelicht ist. Dass man den Weg vor lauter Felsen nicht sieht. Was das Gute daran ist? Verkauft wird das Teelicht zusammen mit 99 weiteren. Und die Felsen sind eigentlich Kieselsteine in deinen Schuhen. Also raus damit und auf auf! Auch ich habe irgendwo einen Plan. Nicht A und auch nicht B, aber hey fuck it. Das Wichtige ist doch das hier und jetzt, egal wie dein Umfeld das Leben gestaltet. Diese Situationen werden auch in mein Leben eintreten. Die Guten und die Schlechten. Ich vermisse den Brief. Ich vermisse die vergangene Zeit und die verlorene. Aber akzeptiere die Pille, auch die bittere. Sonst verpasse ich morgen und verliere noch mehr.

Das Spotlight ist weg. Von den Rängen schallt stiller Applaus. Ich habe mich für die Rote entschieden. Und du? 

m.

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