Mein Potential für 2020 

Eine Liebeserklärung an die Wahlheimat.

Und dann fühle ich es wieder. Es überfällt mich. Sitze so da – zwischen all den Lieblingsmenschen. Drifte ab. Bin plötzlich mehr in meinem Kopf, als in der fröhlichen Runde. Höre nur meinen Gedanken zu. Sehe jeden an. Lächle stumm vor mich hin. Während es in meinem Kopf so laut schreit. Und es überkommt mich. Trifft mich wie eine Welle. Und wieder der Gedanke, wie viel Glück ich doch habe. Wie unfassbar glücklich ich genau über diesen Moment bin. Wie glücklich ich bin, über diese Menschen die hier um mich sind. Wie glücklich ich bin, dass mich diese Banalitäten so glücklich machen können. Und vor allem glücklich für die Dankbarkeit die ich empfinden kann.

Und mir wird wieder bewusster als je zuvor wie viele tolle Menschen in meinem Leben sind. Jeder steht für irgendwas. Manch einer für mehr als eine Sache. Jeder ist so ein kleines bisschen meines Mosaiks. Jeder hat irgendwas dazu beigetragen – bewusst und unbewusst. Würde diesen Moment gerne einfrieren. Immer wieder ihr lachen sehen. Immer wieder diesen Moment leben. So leicht. So schön. So glücklich.
Ist es die Melancholie des Abschieds? Wieso fühl ich mich meistens erst wirklich angekommen, wenn es Zeit wird zu gehen. Bin irgendwie so nirgendwo zuhause. Komme überall zurecht. Was ein Glück – nicht wahr? Aber irgendwie auch eine Rastlosigkeit. Eine Unruhe. Die ich von Zeit zu Zeit gern mal abschalten würde. Auf Pause drücken.
War so lange unglücklich an diesem Ort. Und jetzt? Jetzt wo ich gehen muss. Wo die Kartons warten gepackt zu werden. Genau jetzt. Da gibt es so viele Gründe nicht zu gehen. Gründe und Menschen die mein Herz berühren – auf den letzten Metern. So sehr, dass ich wünschte die Zeit anhalten zu können. Und ich wünsche mir mehr denn je und doch auch nur wieder, dass das hier nur ein See you later ist. Ich lasse so gut los wie ein Magnet. Abschied fällt mir schwer. Will das alles hier grad behalten. Den Schmerz und das Lachen. Verrückt wie viel sich in dieser kurzen Zeit geändert hat. Verrückt wie wenig ich diesen Ort hier angenommen habe. Hab seine Schönheit erst auf den letzten Metern wirklich gesehen. War davor so sehr damit beschäftigt, mich woanders hin zu wünschen. Das schönste hier waren immer die Menschen. Das was sich nach Heimat angefühlt hat. Und jetzt steh ich über der Stadt und verliere mich in dem Flackern der Lichter. In dem Blinken jedes Hoffnungsschimmers. Und ein Lächeln breitet sich in meinem Gesicht aus. Kann nichts dagegen tun. Dieses Glück und diese Ruhe überfällt mich genau in diesem Moment. Stelle mir die Szenarien vor. Die Szenarien für die jedes einzelne Licht hier steht. Male mir aus, was die Menschen hier beschäftigt. Und lasse schon jetzt los, obwohl ich noch da bin. Und mein Herz wird schwer. Stelle mir die Frage, ob ich die Schönheit plötzlich sehe, weil sie mir jemand anders zeigt? Oder sehe ich die Schönheit, weil sie von jemand anderem ausgeht?  Weil letztendlich vielleicht doch die Menschen das Schönste an diesem Ort sind? Die Menschen, an denen mein Herz hängt. Die Geschichten, die für immer ein Teil der gesamten Story sein werden. Ein ganz besonderes Kapitel in meinem Leben. Das letzte Semester nochmal ein unfassbarer Absatz darin. Einen den ich nicht so schnell vergessen werde.

Möchte irgendwie noch so viel sehen. Möchte herausfinden, was die Antworten sind. Aber weiß, dass ich diesen Ort mit Fragen verlassen werde.
Diese Welle des Glücks bricht an meiner Melancholie. Und mit ihr auch mein Herz. Und es schmerzt, wenn ich dran denke dass das hier die letze fröhliche Runde sein kann. Es bricht, weil ich weiß, dass ich diese Menschen vermissen werde. Das die Zeit der langen Spaziergänge bald vorbei ist. Zumindest in dieser Gesellschaft. Dass wir nichtmehr – für Mitte 20 viel zu laut lachend – im Regen schaukeln werden. Dass wir nichtmehr unsere Gedanken mit der Nacht teilen. Uns im Bett verkriechen, um über alles und nichts zu reden. Sich das zurückkommen nichtmehr wie Heimat anfühlen wird. Dass das Zimmer leer geräumt wird. Und jedes Stück Gemütlichkeit zerfällt. Und damit auch die Heimat, die sie verkörpert. Dass sich alles ändert. Wie sich immer alles ändert. Weil Veränderung eine der wenigen Konstanten in meinem Leben ist. Weil ich immer der Wandel selbst bin. Niemand steht so sehr für den Wandel, wie ich selbst. Weil ich – bisher – nicht angekommen bin und es auch irgendwie nie so richtig wollte.
Und am Ende bleibt nur die Hoffnung. Die Hoffnung, dass das hier nicht das Ende dieser Menschen in meinem Leben ist. Sondern nur das Ende der spontanen fröhlichen Mensagespräche. Die Hoffnung, dass ich diese Geborgenheit an einem anderen Ort, in einer anderen Kantine wiederfinden werde. Die Hoffnung, dass dieses pure Glück nicht immer an den Abschied gekoppelt sein wird. Und vor allem die Hoffnung auf das Ende der Rastlosigkeit. Meiner eigenen Rastlosigkeit.

Weil ich mir nichts mehr wünsche, als jetzt genau in diesem Augenblick endlich anzukommen. Meinen Sinn gefunden zu haben. Das richtige tun und nicht nur auf das Ende warten. Ankommen, in der richtigen Gesellschaft, am richtigen Ort und vor allem bei mir selber, ohne stehen zu bleiben. Die Momente genießen, abenteuerlustig und entdeckungsfreudig zu bleiben. Nur halt ohne das Gefühl der ewigen Überholspur. Bei der ich mich selber immer wieder überhole. Bei der ich die Richtungsschilder nicht lesen kann. Bei der ich zum 10x einen U-turn mache. Das Ende der Abwechslung zwischen nirgendwo ankommen und ständig gegen eine Wand fahren. Mit 180. Immer ein bisschen über dem Tempolimit, damit mich nichts einholt, von dem ich es nicht möchte. 

Immer weiter – ganz gleich wohin. 

Ich glaube ich bin bereit anzukommen. Und ich gebe 2020 die Chance der Wandel zu sein, bei dem ich am Ende ankomme, weil ich meinen eigenen endlich loslasse. Kein Chamäleon mehr sein – mich nicht mehr mit 80% zufrieden geben. Ich will das hier – 2020 – mein Ziel Jahr sein lassen. Endlich den Anfang vom Ende gefunden zu haben. Das ist der Wunsch, den ich habe. Ein Ende mit ganz viel Glück. Mit Liebe. Ohne verpasste Chancen. Mit Geduld. Ein Wandel mit Konsistenz und Geradlinigkeit. Aussortieren und behalten – beides zusammen.

Und ganz gleich was es wird – ich vertraue dass es am Ende gut wird. Genau richtig so wie es passiert. Das Loslassen, das Festhalten und das dazu gewinnen.

ready for new adventures.

xx

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. feinbesaitet sagt:

    Wow, wunderschön beschrieben.

    Ich konnte deine Zeilen so gut nachempfinden – sooft bin ich schon in meinem Leben gegangen, umgezogen und habe neuangefangen.

    Heute las ich in einem Buch den Unterschied zwischen Hoffnung und Vertrauen und als ich Deine Zeilen las, dachte ich: „Sie meint Vertrauen.“ Dem Leben das Vertrauen schenken, dahingehend, dass „Alles ist gut“ eintreffen wird.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

    Das Licht

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