Marmeladenglasmomente

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Ein guter Freund zieht mich immer auf, wenn ich für mich schöne Momente fotografiere oder filme. Meine Antwort ist jedes Mal, dass das für mich gerade ein Marmeladenglasmoment ist. Etwas, an das ich mich noch sehr lange erinnern möchte. Mein Fotoalbum durchscrollen und nochmal kurz in die Situation eintauchen. Kurz den Kopf reinhalten, nochmal alles spüren. Die Emotionen, das Herz das überschäumt vor Glück. Die Sonnenstrahlen, die auf der Nase kitzeln. Das Lachen, der liebsten Menschen um mich rum hören. Die flüchtige Berührung am Arm oder das vor Freude die Hand zerdrücken spüren. Die Aufregung, wenn man sich mal wieder am Rande der Legalität bewegt. Das kribbeln in den Fingern, dass das nächste Abenteuer bevorsteht – ganz gleich wie klein es ist.
Die Situation immer und immer wieder leben können, wenn ich es möchte. Dafür mache ich das.
Okay und auch ein bisschen um mein Glück mit anderen zu teilen, aber in erster Linie für mich. Ein bisschen das Fotoalbum des Lebens füllen, das für die Ewigkeit.
Also ist es eigentlich ein Kompliment, wenn ich etwas festhalten möchte. Es ist ein Moment, den ich gerne immer und immer wieder erleben möchte. Einer, von dem ich erzählen will. Einer, an dem ich meine Freunde teilhaben lassen will. Es ist einfach ein Moment der mir was bedeutet. Weil manchmal nicht nur die großen Dinge zählen, sondern auch die kleinen! Und viel zu häufig sind die kleinen im Nachhinein betrachtet die viel größeren.

Gerade jetzt, gerade in diesem Sommer, würde ich am liebsten jeden kleinen Moment festhalten und konservieren. Will ihn nicht loslassen und alles ganz genau festhalten, jedes Lachen, jeden Sonnenuntergang und jeden Ausflug.
Und warum das Ganze? Weil meine Zeit hier endet. Weil ich nichtmehr lange hier zuhause bin. Weil die Endlichkeit der Dinge, aller Dinge im Leben, nie so präsent war wie genau in diesem Sommer. Klar es kommen neue Dinge, meist andere als man es sich jetzt noch ausmalt, aber damit enden auch viele schöne. Weil dieser Sommer nie wiederkehren wird. Weil ich noch nicht ganz sicher bin, wie viele km mich demnächst von all diesen kleinen Abenteuern, Momenten und Menschen trennen werden. Weil alles so vage ist, alles sehr unsicher. Alles mehr so ausgelegt, dass nichts wichtiger ist, als dieser Moment genau jetzt in dieser Sekunde.
Ich finde, dass Marmeladenglasmomente sehr wichtig sind, man kann kurz eintauchen, sich darin verlieren solange man möchte, wieder auftauchen und zurück in den Alltag springen. Sich vielleicht einwenig in den Erinnerungen verlieren, dem Alltag entfliehen und nochmal dieses irre Leuchten in den Augen kriegen, wenn man sich an all die Dinge erinnert die in dem Moment vielleicht nicht ganz so bedeutend gewirkt haben. Ein Glas zu einer Erinnerung öffnen die direkt noch 20 weitere Geschichten im den Kopf aufploppen lässt, wie Popcorn. Irgendwann vielleicht in 5 Jahren zusammensitzen und wieder alles rauskramen. Die Geschichten und Erinnerungen, sie den neuen Freunden erzählen und einfach ganz kurz diesen Moment nochmal leben. 

Und nur dafür mache ich das. Fürs Konservieren. Fürs Erinnern. Für mich. Weil es viel zu viele Momente gibt, in denen man vor lauter Alltag vergisst, wie schön und unbeschwert das Leben sein kann. Und manchmal muss man sich das einfach nochmal vor Augen führen, den Moment wieder und wieder erleben um einfach weiterzumachen. Um die letzten 10% Motivation und Durchhaltevermögen für die Prüfungen oder andere Dinge aus dem Hut zu zaubern, weil man weiß, dass wieder neue Marmeladenglasmomente kommen. 

Trotzdem nicht vergessen den Moment auch im hier und jetzt leben und genießen. Nicht nur alles für das Album auf dem Handy oder Laptop machen, sondern auch ganz viele Dinge für das Fotoalbum im Kopf sammeln, das mit dem silbernen Knopf 😉!
Weil manchmal ein unperfektes Foto oder Video die Situation viel besser beschreibt. Weil es nicht um das perfekte Foto geht. Man in einem Marmeladenglasmoment nicht 10h für ein Foto aufwenden sollte, sondern nur einen Anhaltspunkt schaffen, eine Erinnerung egal wie sie aussieht. Damit man irgendwann wieder das Marmeladeglas öffnen und sich an die Geschichte erinnern kann.

Einfach ein Etikett für genau dieses Glas, diese Erinnerung, diese Orte und die Menschen. Aber vor allem für die Gefühle, die ich mit diesem Moment verbinde.

Keep hunting for the jam – not only for the gram.

a.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. wie wundervoll, Deine Marmeladenglasmomente. Ich liebe dieses Bild, das Du zeichnest. Es ist wirklich berührend und nachvollziehbar, wunderschön! Danke für Deinen großartigen Post. Alles Liebe, Sovely

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    1. a. sagt:

      Vielen Dank für deine Worte!

      Gefällt 1 Person

  2. Ich möchte Dir gern einen Marmeladenglasmoment schenken, mit herzlichen Grüßen von Sovely:
    https://murmelmeister.com/2019/07/16/nominated-1/

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