Geisterstunde

am

Ich geh durch die Stadt und sehe irgendwo deine Silhouette im Augenwinkel. Dreh mich um, seh genau hin und merke, es bist wieder nicht du. Wusste immer dass es garnicht sein kann, weil du nichtmehr hier bist. Weil du von oben auf uns alle herabsiehst. Hab dich lange nicht gesehen, oft an dich gedacht. Immer aufgeschoben dir zu schreiben. Wir haben ja noch Zeit!
Falsch gedacht. Deine Todesnachricht war für mich wie ein Schlag. Kam aus dem nichts und traf mich so unvermittelt. Auch wenn es lange her ist, warst du wichtig. Es sind die kleinen Dinge, über die wir lachten. Mit dir war einen Abend vor dem Wohnblock sitzen und reden wie 3 Wochen Malediven. Ich hab dir so gerne zugehört, wenn du über zuhause gesprochen hast.

Irgendwo der Anflug deines Parfüms. Jenes nach dem meine Lederjacke noch lange roch, als die Umarmung längst gelöst war. Der Geruch, in dem ich mich so gerne verlor.
Hin- und hergerissen zwischen es immer wieder riechen wollen, mich an dich erinnern und die Erinnerung ein Lächeln auf mein Gesicht zeichnen lassen. Und gleichzeitig diese unendliche Trauer die mich überkommt. Die Trauer die sich ihren Weg bahnt, die Luftröhre hoch. Sie zuschnürt und nicht selten als Schluchzen in der Kehle stecken bleibt bevor die Tränen kommen. Gefangen zwischen den guten Erinnerungen und ihrem bitteren Beigeschmack. Wir sind doch so jung, wie kann es sein, dass unsere Freunde sterben? Bin ich jetzt in diesem Alter? Es ist jetzt über ein Jahr her, in meinem Kopf angekommen ist es noch nicht. Nicht ganz. Ich weiß es, weiß dass ich nie wieder die Dinge sagen kann, welche ich so oft aufschob. Hab kurz vorher an dich gedacht. Paradox nicht wahr? 

Aber sei sicher, ich denke oft an dich! Erinnere mich und seh dich in den kleinen Dingen. Sehe Silhouetten die mich an dich erinnern, höre Lieder die mir Anekdoten an uns zurückgeben und rieche immer wieder dein Parfüm und weiß, es geht dir gut und im Herzen wusstest du, wie wichtig du bist! Ich hoffe es so sehr!

Ich erinnert mich noch ganz genau an den Tag, an dem wir uns kennengelernt haben. Ein bisschen, als wäre es erst gestern gewesen. Wie wir uns direkt gut verstanden haben. Kann nicht sagen ob es unser Humor war oder irgendetwas anderes. Aber gelacht haben wir immer zusammen. In Situationen bei denen andere in peinliches Schweigen verfallen wären, da haben wir aus tiefstem Herzen gelacht. Und das hat unsere Freundschaft letztendlich auch ausgemacht. Du hast mir angesehen, wenn es mir schlecht ging. Mich angelächelt und gesagt das alles gut wird, ohne zu wissen was ist. Und schon haben wir beide wieder gelacht. Du wolltest immer, dass ich besser werde in allem. Und auch deswegen habe ich bei Herausforderungen noch oft deine Stimme im Kopf die mir leise zuflüstert: „Du schaffst das! Ich weiß das.“

Ich werde mich immer an dich erinnern. Die kleinen Momente für dich mitfeiern und dabei lächeln – versprochen!

Ein Mensch stirbt erst dann, wenn er vergessen wird!

 

a.

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