Vergeben und Vergessen?

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„Wenn du wütend auf jemanden bist ist es so, als ob du Gift trinken würdest und hoffst, dass die andere Person daran stirbt.“
Wenn man in der emotionalen Lage der Wut ist, ist es wie in einer Zwickmühle. Man wurde verletzt, es sind Dinge passiert die ein „es tut mir Leid“ nicht sofort wieder gut machen. Oft sagt man in der blinden Wut Dinge, die man nicht so meint – vielleicht um eine Reaktion zu provozieren. Zu merken, dass man dem Gegenüber doch wichtig ist. Man will ‚gewinnen‘.

Aber weißt du was das Problem ist, also das Problem der Wut? Sie tut meistens nur dir selber weh, sie frisst dich auf. Und wenn du an dem Punkt bist, dass du wütend auf jemanden bist, weil dir eine Sache wichtig ist, dann kannst du nichtmehr gewinnen. Weil es dir wichtig ist, aber dein Gegenüber mit deiner Wut leben kann – zumindest augenscheinlich. Wenn es eine Person schafft, dich wütend zu machen bedeutet das nicht allzu häufig, dass einer der beiden Streithähne einer Situation mehr Wert zuweist, als eine andere. Und damit ist man an einem Punkt angekommen, an dem man versuchen sollte zu vergeben. Nicht um dem anderen ein reines Gewissen zu verschaffen, sondern um deiner selbst Willen! Damit du Frieden finden und weiter gehen kannst.
Um eines meiner Lieblingszitate aus Greys Anatomy auszugraben: „Was bringt dir die Wut, wenn sie dir nur selber weh tut?“
Meine Antwort? Absolut nichts, rein gar nichts! Schlichtweg nur ein beschissenes Gefühl bei dir. Die Wut braucht enorm viel Energie. Energie die man in etwas Positives stecken könnte. Und doch hat man nicht die Kraft oder die Mittel, die Wut sein zulassen und weiter zu gehen. Vergeben und Vergessen? Ich weiß nicht, ob das immer geht. Es gibt Dinge im Leben, die prägen dich so enorm – positive wie negative. Und wenn aus einer solchen Sache Wut wird, ist es sehr schwer Frieden zu finden. Manchmal heilt die Zeit die Wunden, aber manchmal weist man nicht, wie man sie los wird. Den ständigen und dennoch unliebsamen Begleiter.

Manchmal ist die Wut auch nur ein Ventil. Man ist undenkbar verletzt, kann seine Gefühle nicht wirklich ausdrücken. Oft wird man in solchen Situationen wütend. Wütend auf jemand anderen, weil er einen nicht versteht. Weil er nicht versteht, was man fühlt. Ich glaube der häufigste Auslöser für Wut ist wirklich Unverständnis. Und Unverständnis tut am meisten weh, wenn sie von einem Menschen kommt der einem wichtig ist. Oft wird man dann aufbrausend, wirft mit Behauptungen und Vorwürfen um sich. Will alles loswerden, weil das Gefühl des verletztseins ein Gefühl der Ohnmacht ist. Wut hingegen ist etwas konkretes, etwas was man sozusagen abgeben und loswerden kann. Auf jemand anderen projizieren. Auf denjenigen, der dir das Gefühl der Ohnmacht gibt. Der, der dich leiden lässt – ob bewusst oder unbewusst. Aber es bringt dir nichts, am Ende tust du nur dir selber weh. Vielleicht weil du Dinge sagst, die du nicht so meinst um eine Reaktion zu provozieren. Eine Reaktion, die dir zeigen soll, dass du dem anderen wichtig bist. Aber meistens trifft Wut auf noch mehr Unverständnis. Die Antwort auf Wut ist allzu häufig ein Echo. Und man hört Dinge, die der andere vielleicht nicht ganz so meint. Und man wird nur mehr verletzt. Ich weiß nicht ob es ein Teufelskreis ist, aber was ich sicher weiß ist, dass man irgendwann abspringen muss. Den Pauseknopf drücken. Das Ego wieder einpacken, den Ärger runter schlucken. Sich reflektieren und klipp und klar formulieren, was der eigentliche Grund für den Ärger ist. Was einen so in Rage gebracht hat. Und die Dinge auch irgendwann gut sein lassen.

Aber ob das immer reicht? Ob man manche Dinge wirklich einfach hinter sich lassen kann? Für immer? Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?
Ich hab leider keine Antworten darauf, kein universales Rezept oder eine sichere Methode. Ich glaube es gibt sie nicht. Manchmal reicht eine neue, positive Erfahrung. Aber ganz vielleicht wird diese Wut auch immer irgendwo in dir brennen. Von Zeit zu Zeit auflodern und wieder nur ein kleines Glutnest sein. Aber für den eigenen Frieden sollte man irgendwann versuchen zu vergeben, weil einen die Wut am Ende nur selber kaputt macht! Man sollte sich auf das positive konzentrieren, auch wenn es nur die Erkenntnis ist, was man nicht mehr möchte. Es gibt immer eine Lektion, auch wenn man ab und zu etwas länger danach suchen muss.

 

forgive but never forget the lesson.

 

a.

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