Bittersweet.

Weil ich jetzt wieder so deutlich spüre, wie kurz unsere Zeit doch ist. Verirre mich immer noch ab und an auf deinem Instagramaccount, der irgendwie eingefroren und so lebendig zugleich ist. Sehe deine Bilder und hab das Gefühl, dich gleich morgen wiederzusehen. Gehe an Orte, die wir teilten. Sitze auf Treppen, auf denen wir über das Leben philosophierten. Und jedes mal wieder trifft es mich ein bisschen, wenn mir bewusst wird, dass du nicht nur im Auslandssemester bist. 

Du bist fort und doch irgendwie so nah. 

Für Mama und Papa.

Und plötzlich war das Haus leerer. Das Kücken war aus dem Nest. Für mich gab es kaum einen Unterschied, hatte ja hier ständig jemanden um mich herum. Wenn ich nach Hause kam, war alles beim Alten. Aber für meine Familie hat sich doch ziemlich viel geändert. Ich war immer der lautere Mensch von ihren Kindern. Kann ununterbrochen quasseln, was manchmal auch nervig ist. Aber ich glaube, es ist etwas stiller geworden Zuhause. Wie hat meine Mama mal gesagt: „Kind, ohne dich ist das Leben nur halb so amüsant.“ Und ich glaube, ich konnte kein schöneres Kompliment kriegen!
Aber es war auch ein wichtiger Schritt, wir alle haben gelernt loszulassen. Aber durch dieses Loslassen sind wir auch irgendwie gleichzeitig näher zusammengerückt. 

Von Geschichten und Reisen

Leute steigen ein und aus, das meiste verschlafe ich – ein bisschen das Gefühl haben in einer Zeitmaschine zu sitzen. Immer wenn ich kurz aufschrecke bin ich schon in einer anderen, neuen Stadt. Sehe den 10. Bauernhof und die 15. Dorfkirche. 

Und je mehr ich sehe, umso mehr merke ich wie sehr ich diese Stadt liebe – meine Stadt. Die Heimat und all ihre Geschichten. Die Geschichten der Stadt – Zeitgeschichte und auch meine eigene. Jede Ecke erzählt einen Teil der gesamten Story. Und dennoch bin ich froh, wieder fort zu können! Weiß, ich werde immer irgendwie heimkommen – bis zur nächsten Reise. Nur die Zeiten dazwischen variiert. 

Big city nights

Alles neu, alles fremd und doch so normal. Ein bisschen zu laut lachen und ein bisschen zu viel reden. Ein bisschen zu viel von allem, aber doch genau richtig so.

Flüchtige Berührungen, mit dem Sitznachbarn in der Bar, die direkt gegenüber. Ein bisschen umeinander schleichen. Kurz verfangen sich die Hände ineinander – so ganz ausversehen. Und dann, mit voller Absicht die Hand am Rücken spüren, sich kurz fallen lassen.

Der Sinn des Lebens

Und sonst? Was ist sonst mein Sinn des Lebens? Ich glaube ich will glücklich sein, wie jeder andere. Am glücklichsten bin ich, wenn es anderen gut geht! Wenn es Menschen gut geht, die mir wichtig sind. Also einfach mal freundlich sein zu Fremden, die alte Oma in der Bahn anlächeln und sie fragen, ob sie Hilfe braucht. Dem Nachbarn helfen, den neuen Schrank aufzubauen. Meinem Mitbewohner helfen eine Nachricht an seinen Secret Crush zu schreiben und der Mama einfach mal so Blumen mitbringen. Das Sprichwort „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!“ kommt nicht von ungefähr.

Marmeladenglasmomente

Gerade jetzt, gerade in diesem Sommer, würde ich am liebsten jeden kleinen Moment festhalten und konservieren. Will ihn nicht loslassen und alles ganz genau festhalten, jedes Lachen, jeden Sonnenuntergang und jeden Ausflug.
Und warum das Ganze? Weil meine Zeit hier endet. Weil ich nichtmehr lange hier zuhause bin. Weil die Endlichkeit der Dinge, aller Dinge im Leben, nie so präsent war wie genau in diesem Sommer. Klar es kommen neue Dinge, meist andere als man es sich jetzt noch ausmalt, aber damit enden auch viele schöne. Weil dieser Sommer nie wiederkehren wird. Weil ich noch nicht ganz sicher bin, wie viele km mich demnächst von all diesen kleinen Abenteuern, Momenten und Menschen trennen werden. Weil alles so vage ist, alles sehr unsicher. Alles mehr so ausgelegt, dass nichts wichtiger ist, als dieser Moment genau jetzt in dieser Sekunde.

Unknown destination

Das Ankommen nicht fühlen wollen und bewusst die Freiheit suchen. Nicht genau wissen, was die Freiheit eigentlich ist, sie trotzdem suchen und darauf vertrauen, dass ich ankommen werde. Den richtigen Zug erwische, so wie immer. Den, in Richtung des Unbekannten. Bewusst das ungewisse wählen und trotzdem immer dort ankommen, wo ich sein möchte. 

Ein Stück mehr dem Bauchgefühl vertrauen, weil es mich noch nie enttäuscht hat. In jeder Sekunde spüren, dass alle Entscheidungen richtig waren. Alles sehr unverbindlich, keine Antwort auf die Frage ‚Und danach?‘ haben.

Und es fühlt sich richtig an. Es fühlt sich richtig an, so zu leben. Bin mehr ich, als ich es je war! Völlig im Reinen mit mir sein und doch so rastlos, wie nie. Weil das Leben ein One-Way-Ticket ist. So ganz ohne Reiserücktrittversicherung!